Krampfadern: Warum sie entstehen und ab wann sie behandelt gehören
Jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat sichtbare Veränderungen an den Beinvenen. Die meisten halten Krampfadern für ein kosmetisches Problem. Das stimmt am Anfang. Es bleibt aber nicht so.
Was eine Krampfader ist
Das Blut aus den Beinen muss gegen die Schwerkraft zurück zum Herzen. Dafür sorgen zwei Dinge: die Wadenmuskulatur, die bei jedem Schritt die tiefen Venen zusammendrückt, und die Venenklappen, kleine Rückschlagventile, die verhindern, dass das Blut zurücksackt.
Wenn eine Venenwand nachgibt, weitet sich die Vene. Die Klappen schließen nicht mehr dicht, Blut fließt zurück und staut sich. Die Vene wird noch weiter, die nächste Klappe versagt. So entsteht aus einer kleinen Schwäche über Jahre eine sichtbare, geschlängelte Krampfader. Betroffen sind die oberflächlichen Venen direkt unter der Haut, meist am Unterschenkel und an der Innenseite des Oberschenkels.

Warum sie entstehen
- Veranlagung. Die Festigkeit der Venenwand ist zum großen Teil vererbt. Wer Eltern mit Krampfadern hat, trägt ein deutlich höheres Risiko.
- Alter. Bindegewebe verliert mit den Jahren an Spannkraft, auch in der Venenwand.
- Hormone. Östrogen und Gestagen weiten die Venen. Deshalb treten Krampfadern bei Frauen häufiger auf, oft erstmals in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren.
- Stehen und Sitzen. Berufe mit langem Stehen oder Sitzen schalten die Wadenpumpe über Stunden aus. Das Blut steht in den Venen, der Druck steigt.
- Übergewicht und Wärme. Beides erhöht den Druck in den Beinvenen beziehungsweise weitet sie.
Besenreiser oder Krampfader?
Besenreiser sind feine, rötlich-bläuliche Äderchen in der Haut, oft fächerförmig an Oberschenkel oder Kniekehle. Sie sind harmlos, können aber ein Hinweis darauf sein, dass tiefer liegende Venen bereits unter Druck stehen. Krampfadern sind dicker, treten als Stränge oder Knoten hervor und lassen sich tasten. Ob dahinter eine Klappenschwäche der Stammvenen steckt, zeigt nur eine Ultraschalluntersuchung beim Venenarzt.
Die Stadien: So entwickelt sich eine Venenschwäche

- Besenreiser und leichte Schwellung abends, morgens wieder weg. Schwere, müde Beine nach langen Tagen.
- Sichtbare Krampfadern, Spannungsgefühl, gelegentlich nächtliche Wadenkrämpfe.
- Dauerhafte Schwellung am Knöchel, die auch morgens nicht mehr vollständig zurückgeht.
- Hautveränderungen: bräunliche Verfärbung am Unterschenkel, trockene, juckende, verhärtete Haut.
- Offenes Bein: eine schlecht heilende Wunde, meist über dem Innenknöchel. Das Endstadium einer über Jahre unbehandelten Venenschwäche.
Der Übergang von Stufe zu Stufe dauert oft Jahre. Das ist der Grund, warum viele Betroffene zu lange warten: Es wird nur langsam schlimmer.
Wann Sie zum Arzt sollten: bei Schwellungen, die über Nacht nicht zurückgehen; bei Hautverfärbungen oder Juckreiz am Unterschenkel; wenn eine Krampfader hart, gerötet und schmerzhaft wird (mögliche Venenentzündung); und sofort, wenn ein Bein plötzlich dick, warm und schmerzhaft ist oder Atemnot dazukommt.
Was hilft
Bewegung
Gehen, Radfahren, Schwimmen, Treppensteigen. Alles, was die Wade arbeiten lässt, pumpt Blut nach oben. Schon wenige Minuten pro Stunde Fersen heben oder auf der Stelle gehen helfen bei Schreibtischarbeit.
Hochlagern und Kühlen
Entlastet, solange man liegt. Es behandelt nicht die Ursache, lindert aber die abendlichen Beschwerden.
Kompression
Medizinische Kompressionsstrümpfe sind die Basistherapie bei Venenschwäche. Sie drücken die erweiterten Venen von außen zusammen, die Klappen schließen wieder besser, der Druck sinkt. Entscheidend ist ein abgestufter Druck, der am Knöchel am höchsten ist und zum Knie hin abnimmt. Stützstrümpfe aus der Drogerie haben keinen definierten Druck und leisten das nicht.
Behandlung der Krampfader selbst
Verödung, Laser- oder Radiowellenverfahren und die klassische Operation entfernen oder verschließen die erkrankte Vene. Welches Verfahren sinnvoll ist, hängt vom Befund ab und gehört in die Hände einer Phlebologin oder eines Phlebologen.
Zwei Mythen
„Beine übereinanderschlagen macht Krampfadern." Nein. Es kann den Rückfluss kurz behindern, erzeugt aber keine Venenschwäche.
„Venengel lässt Krampfadern verschwinden." Nein. Gele kühlen die Haut und lindern das Spannungsgefühl. An der Venenwand ändern sie nichts.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
